176 Wohnungen bis 2029 geplant
176 Wohnungen bis 2029 geplant
(v. r. n. l.) Treucon-CEO Thomas Doll, Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner, Bausenator Christian Gaebler, GESOBAU-Vorstand Christian Wilkens und Marcus Becker, Geschäftsführer der Kondor Wessels Bouw Berlin GmbH
© GESOBAU AG / Christoph
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176 Wohnungen bis 2029 geplant
Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 20.02.2026
Im Märkischen Viertel entsteht ein neues Hochhaus. Der Projektentwickler berichtet, welche Probleme den Bau begleiten.
von Dirk Krampitz
von Dirk Krampitz
Reinickendorf
Die Gäste wärmen sich die Hände an den Kaffeetassen. Die Temperaturen bei der Grundsteinlegung im Märkischen Viertel in Reinickendorf sind unerwartet niedrig. Umso höher soll das Haus werden, das hier geplant ist.
Gerade hat das Märkische Viertel seinen 60. Geburtstag gefeiert, da soll die Hochhaussiedlung einen neuen 17-Geschosser an prominenter Stelle bekommen. Direkt am Eingang des Ortsteils, wo sich bis vor kurzem die nun leergezogene Postfiliale befand. Die Hausnummer 150 wird derzeit abgerissen, Briefe verschicken kann man jetzt ein paar Hausnummern weiter am Wilhelmsruher Damm 142.
176 neue Wohnungen sowie sechs Gewerbeeinheiten und eine Kita sind im Erdgeschoss geplant. Die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen. Bauen wird den Wohnturm die TREUCON Gruppe Berlin gemeinsam mit der Kondor Wessels Bouw Berlin GmbH. Die Gesobau kauft ihn dann schlüsselfertig und vermietet ihn. Rund 90 Prozent der geplanten 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen werden als geförderter Wohnraum mit Nettokaltmieten ab 7 Euro pro Quadratmeter angeboten. Sämtliche Wohnungen sind barrierefrei erreichbar und verfügen über Balkone. Das angrenzende Brückenbauwerk, in dem sich Telekomtechnik befindet, wird künftig in den Neubau integriert.
Der Bausenator schwärmt bei der Grundsteinlegung
Bausenator Christian Gaebler schwärmt, die Grundsteinlegung bringe „ein neues Zuhause für mehr als 350 Berlinerinnen und Berliner“. Mit verlässlichen Partnern an der Seite werde dort „ein effizientes Nachverdichtungsprojekt ganz im Sinne einer bedarfsgerechten Stadtentwicklung“ realisiert.
Stadtentwicklungs-Stadträtin Korinna Stephan (Grüne) findet: „Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz sind kein Gegensatz.“ Es würden Flächen intelligent weiterentwickelt und geförderte Wohnungen in den Mittelpunkt gestellt, so entstehe „eine gerechtere und nachhaltigere Stadt“. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) wünscht sich, dass ein Haus entsteht, „das nicht nur Raum, sondern auch Heimat ist“.
In Berlin herrscht Alarm, wenn ein Vogel übers Gelände fliegt. Thomas Doll, Der Projektentwickler über Umweltschutzauflagen
Es sind feierliche Worte. Und obwohl alle Anwesenden den Neubau grundsätzlich begrüßen, schwingen auch kritische Untertöne mit: Sevda Boyraci, SPD-Kandidatin im Wahlkreis Märkisches Viertel, mahnt zum Beispiel, dass die Infrastruktur in der Siedlung unbedingt stärker mitwachsen müsse. Im Herzen des Viertels klafft die riesige Baugrube seit 2020. „Die Menschen hier sind genervt, ich höre es immer wieder.“ Und sie kennen eben auch die Versprechungen.
Senator Christian Gaebler trat, vermutlich etwas zu euphorisiert, ins Formulierungs-Fettnäpfchen, als er von der „guten Verkehrsanbindung“ des Viertels schwärmte. Ein wunder Punkt, denn das Märkische Viertel wartet seit Jahrzehnten auf die Anbindung an die U8 .
Und Projektentwickler Thomas Doll von der TREUCON lobt zwar die „tolle Zusammenarbeit“ mit Gaebler. Und wenn er von seinen langjährigen Erfahrungen als Immobilienentwickler im Sozialen Wohnungsbau erzählt, bleibt er zwar immer freundlich und macht keine Vorwürfe, aber er benennt doch deutlich die Stellen, wo er glaubt, dass es ordentlich hakt: „Wir haben das Grundstück vor fünf Jahren gekauft. Es hat deutlich zu lange gedauert bis zur Baugenehmigung. Wir müssen in Deutschland wieder dazu kommen, mit weniger Auflagen zu bauen.“
„Lange Prozesse schrecken weniger erfahrene Entwickler ab“
Die Hindernisse seien vielfältig: Manchmal gehe es um die Größe, mal um den Naturschutz. Zum Beispiel die Umsiedlung von Wachteln. „In Brandenburg werden sie abgeschossen und landen auf dem Teller. In Berlin herrscht Alarm, wenn ein Vogel übers Gelände fliegt. Wir siedeln ja gern auch alle Tiere auf der Baustelle um. Aber manchmal habe ich das Gefühl, wir stellen Naturschutz vor Wohnrecht.“
Zudem verzögerten die langen Genehmigungsprozesse, die durch die Wiederholungswahl und den Wechsel des politischen Personals noch einmal in die Länge gezogen worden seien, die Sache. Im Märkischen Viertel hätte man zuerst nur vier Stockwerke bauen dürfen, das hätte sich aber aufgrund des kleinen „Briefmarkengrundstücks“ nicht gelohnt. Sie haben lange verhandelt und sich geeinigt. „Aber diese langen Prozesse schrecken weniger erfahrene Entwickler ab oder treiben sie sogar in die Pleite.“
Strenge Vorgaben seien auch der Grund, warum dieses Hochhaus erst in drei Jahren fertig sei: Zur Befestigung des Untergrunds müssten sie 380 Pfähle in den Boden rammen, erzählt Doll. Keller wird es nicht geben. Warum diese besondere Befestigung nötig sei? Er zuckt mit den Schultern. Über Jahre immer strenger gewordene Baustandards. „Der Boden ist hier auch nicht anders als im Rest des Märkischen Viertels, wo ja bekanntermaßen auch Hochhäuser stehen. Und das schon seit 60 Jahren.“


