Gleisverbreiterung aus DDR-Zeiten
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Artikel von Christian Hönicke am 09.12.2025
Überraschender Beschluss zum S-Bahn-Ausbau: Pankow bekommt weitere Bahnhöfe
Zeitplan und Orte stehen fest
Zur Anbindung der Neubaugebiete in Berlins bevölkerungsreichstem Bezirk werden schon bald neue S-Bahnhöfe gebaut. Vorbild ist eine Planung aus DDR-Zeiten – lesen Sie hier alle Details.
Im Berliner Bezirk Pankow werden schon bald neue S-Bahnhöfe zur Erschließung der dort geplanten Neubauviertel entstehen. Das hat die „Senatskommission Wohnungsbau“ beschlossen.
„Für die Erschließung der Alten Schäferei sowie für das Gewerbegebiet Buchholz-Nord ist die Planung und Inbetriebnahme der S-Bahnhöfe Schönerlinder Straße und Bucher Straße bis spätestens 2033 zu ermöglichen“, heißt es im Beschluss, der bereits Ende Juli gefasst wurde. Diesen Beschluss machte nun das Pankower Bezirksamt in einem Bericht öffentlich.
Zwei Bahnhöfe in Pankow erschließen neue Wohngebiete
Die beiden potenziellen Halte liegen auf der mehr als neun Kilometer langen Strecke der heutigen S8 zwischen Blankenburg und Mühlenbeck-Mönchmühle. Derzeit rauscht die S-Bahn knapp zehn Minuten lang mit Höchstgeschwindigkeit über die Felder zwischen Französisch Buchholz und Karow bis hinter die Stadtgrenze (oder umgekehrt).
Doch weil dort bald das Gewerbegebiet Buchholz Nord sowie dieWohngebiete Alte Schäferei und Elisabeth-Aue entstehen sollen, will der Senat dort nun zwei neue Stationen zur Erschließung anlegen. Die Gewerbefläche Buchholz Nord ist eine der größten und wichtigsten Gewerbepotenzialflächen des Landes Berlin.
Die Bahnhöfe wurden zu DDR-Zeiten im Rohbau angelegt, um damit die geplante Großsiedlung in Karow anzubinden – die jedoch nie gebaut wurde. Die DDR hatte 1985 die S- Bahn bis Wartenberg verlängert, um die dortigen Großsiedlungen anzubinden. Schon damals sollte die S-Bahn weitergebaut werden bis zur Sellheimbrücke in den heutigen Bezirk Pankow. Mit dem Mauerfall starb diese Planung jedoch.
Im Flächennutzungsplan werden beide Bahnhöfe bis heute als „Bucher Straße“ und „Arkenberge“ geführt. Den Bau der Station „Arkenberge“ (also Schönerlinder Straße) hat auch die Heim-Gruppe angeregt, der die ehemalige Mülldeponie gehört. Sie will auf Berlins höchster Erhebung den „Freizeitpark Arkenberge“ verwirklichen und hätte dazu gern einen Bahn- Anschluss.
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Zudem ist, wie berichtet, die Verlängerung der Straßenbahnlinien M1 und 50 zur Elisabeth- Aue, Alten Schäferei und in den Buchholzer Norden geplant. „Bis zur Fertigstellung der schienengebundenen Verkehrserschließung für das neue Stadtquartier Alte Schäferei wird spätestens 2029 ein Busvorlaufbetrieb eingerichtet“, heißt es im Beschluss der Senatskommission weiter. Das Bezirksamt Pankow solle dafür „eine optimierte Linienführung“ in Abstimmung mit der BVG festlegen: „Diese kann später auch als Trasse für eine etwaige Straßenbahn genutzt werden.“
Verlängerung der S-Bahnlinie S75 und neuer Turmbahnhof in Karow
Innerhalb von acht Jahren sollen die beiden Rohbau-Bahnhöfe im Norden des Bezirks nun also tatsächlich zu voll funktionalen Haltestellen ausgebaut werden. Sie sollen im Zuge der geplanten Verlängerung der S-Bahnlinie S75 nach Nordwesten entstehen. Auf derselben Linie sind auch der Bau des Fernbahnhofs Karower Kreuz und des S-Bahnhofs Sellheimbrücke vorgesehen – letzterer soll „in einer frühen Baustufe“ ebenfalls ab 2033 funktional sein.
Mitte 2023 hatte die Senatsverkehrsverwaltung sich bereits zum Ausbau des Bahnhofs Bucher Straße bekannt. Dieser neue S-Bahnhof „ist Bestandteil der Streckenverlängerung der S75 vom heutigen Endbahnhof Wartenberg über das Karower Kreuz bis zur Einbindung in die heutige S8 vor der Bucher Straße“.
Der weiter nördlich gelegene S-Bahnhof Schönerlinder Straße jedoch schien auf das Abstellgleis geschoben worden zu sein. Für ihn „finden keine Planungen statt“, teilte die Verkehrsverwaltung 2023 mit. Zwar liege das geplante Neubauprojekt „Alte Schäferei“ in Französisch Buchholz mit bis zu 3900 Wohnungen direkt nebenan, dennoch werde dieser Bahnhof „eine niedrigere Attraktivität bieten“. Hintergrund: Bis zur Bucher Straße sei künftig ein 10-Minuten-Takt auf der S75 vorgesehen, die zusätzlichen Züge sollten dort ein- und ausgesetzt werden. Nördlich davon solle es jedoch nur einen 20-Minuten-Takt geben.
Doch inzwischen ist hier eine Kehrtwende erfolgt: Auch der Bahnhof Schönerlinder Straße soll gebaut werden. „Die Maßnahmen für den schienengebundenen ÖPNV“ würden „planerisch vorangetrieben und durch eine abgestimmte Prioritätensetzung“ der involvierten Senatsverwaltungen und dem Bezirk Pankow „gemeinsam verfolgt“, heißt es im Beschluss.


